Der kleine Sternenfänger in deinem Auge
Hast du dich schon einmal gefragt, wie ein riesiger Regenbogen, ein weiter Waldrand oder das Funkeln eines fernen Sterns in deinen Kopf hineinpassen, obwohl deine Augen doch kaum größer sind als zwei kleine Murmeln?
In dicken Lehrbüchern spricht man von „Wellenlängen“, „Photonen“ und der „Retina“. Doch eigentlich geschieht in jedem Augenblick, in dem du die Augen öffnest, ein leises Wunder der Kunst: Ein Lichtstrahl macht sich weit draußen im Kosmos auf die Reise, tanzt auf einer Blüte oder dem Lächeln eines Menschen und springt direkt durch das kleine Tor deiner Pupille.
Ganz hinten in deinem Auge wartet ein hauchdünner, kostbarer Zauberteppich – deine Netzhaut. Sie ist zarter als ein Seidenblatt und doch wie eine lebendige Leinwand aus Millionen winziger Lichtfänger gewebt. Sobald das reisende Licht diesen feinen Teppich sanft berührt, entsteht ein kleiner Funke, und in dir erblüht ein ganzes Bild voller Farben, Wärme und Leben. Deshalb gibt es kaum etwas Schöneres und Wichtiges, als dieses zarte Gewebe des Augenlichts zu schützen und zu bewahren.
Wenn du heute ein warmes Licht siehst oder am Abend einen Stern am Himmel entdeckst, halte einen Moment inne. Mach dir bewusst, dass dieses Licht einen weiten Weg zurückgelegt hat, nur um am Ende seiner Reise sanft auf der kleinen Leinwand in deinem Auge zu landen.
Es braucht keine Prüfungsnoten, um das Licht zu begreifen.
Denn durch unsere Augen betrachtet die Schöpfung voller Freude ihr eigenes Werk.